Dr. phil. Christoph Quarch

DER WALD

Veröffentlicht am 08. Mai 2018

Für unsere Vorfahren war er Zuflucht und Tempel, Heimat und Fremde: der Wald. Tausendmal von den Dichtern besungen, Kulisse unzähliger Mythen und Märchen. Vor allem die Romantiker zog es unwiderstehlich in die Wälder, fanden sie dort doch eine Ursprünglichkeit des Lebens, die sie in der Welt der Städte und Märkte längst nicht mehr fanden. Von daher mutet es beinahe kitschig an, sich des Waldes zu besinnen und einer poetischen Phantasie über den Wald zu folgen.

Und doch ist dies wohltuend und heilsam, denn das Wissen um der heilenden Kraft des Waldes ist tief in unserer aller Seelen eingezeichnet. Und ein Wald ist fast immer nahe. Sei es in der unmittelbaren Umgebung des Wohnortes, sei es in der Phantasie. Zu diesem inneren Wald zu wandern, möchte ich Sie einladen. Erinnern Sie sich. Rufen Sie sich ein Bild vor das innere Auge – einen Weg, einen Waldrand. Sie stehen in der Abendsonne.

Offen zum Feld hin steht freundlich das Tor,
das, umschattet von uralten Eichen, den Weg
in dem flirrenden Grün kühler Schatten verschluckt
und dich einlädt ins stille und heimliche Reich
des Waldes, der oft schon mit zärtlichem Hauch
die Wange dir tröstend und sorgend gekühlt
dass freier du wieder zu atmen vermochtest
und kraftvoller du deinen Herzspuren folgst.

Hier wohnt ein Leben, dem du immer wieder
und ohne zu fragen, vertrauen darfst.
Treu ist der Wald, er umfängt dich mit Stille
er stimmt deine Seele allein durch sein Sein
auf den passenden Ton, so dass du aufs Neue
dein Gleichgewicht findest und freudige Stimmung
dein Herz ganz erfüllt und den Geist dir belebt,
ganz wie ein Freund, der dich liebt, wie du bist.

Allmählich steigend schlingt langsam der Weg sich
durch düstere Fichten den Buchen entgegen
wo lichter der Boden und grasgrüne Polster
dich freundlich einladen zu Schlummer und Rast,
da mild durch die luftigen Kronen das Licht sich
im heitersten Tanz mit der Erde vereint
wo ausgestreckt träumend ihr Spiel du verfolgst
berauscht von dem Rauschen des Winds im Geäst.

Hier fühlst du Heimat, die Erde, den Himmel,
schwingst mit im endlosen Lied unserer Welt
weißt dich vereint mit dem Summen der Fliegen
und dem Gesang all der Vögel ringsum.
Hier magst du bleiben inmitten des Lebens
das du bist und das dich von außen umspielt
du bist gemeint von dem Lied dieses Waldes
einzig nur du, denn du bist ihm die Welt.

(Christoph Quarch, für das Brainlight-Hörprogramm verfasst.)

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