VERTRAUEN

The Donkey School for Leadership – Tugenden der Führungskunst

(Einem Esel zu ver­trau­en, heißt auf fes­tem Boden bauen.)

Ohne Ver­trau­en kannst du nicht leben. Du könn­test in kein Taxi stei­gen, kei­nen Arzt auf­su­chen und noch nicht mal einen (vega­nen) Döner essen, wenn du kein Ver­trau­en hät­test. Ver­trau­en gehört zu unse­rer Grund­aus­stat­tung. Es ist so etwas wie die Gesund­heit der See­le. Wie über die Gesund­heit des Lei­bes so machen wir uns über unser Ver­trau­en so lan­ge kei­ne Gedan­ken, wie es unver­sehrt ist. Wird es aber ver­letzt, dann hin­ter­lässt der Ver­trau­ens­bruch eine tie­fe Wun­de in dei­ner See­le, die so bald nicht hei­len wird. Es braucht Zeit dafür – viel Zeit, und wäh­rend die­ser Zeit lei­dest du, denn dei­ne See­le sehnt sich nach Ver­trau­en, so wie sich dein Leib nach Hei­lung und Gesund­heit sehnt.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Ver­trau­en ist der Boden, der ein jedes Mit­ein­an­der trägt. Nur wo Men­schen sich ver­trau­en, kön­nen sie erfolg­reich mit­ein­an­der arbei­ten und leben – kön­nen sie sich auf­ein­an­der ver­las­sen und wis­sen sich ein­an­der zuge­hö­rig. Davon zeugt der Wort­stamm von Ver­trau­en. In ihm steckt die indo­ger­ma­ni­sche Wort­wur­zel deru-, dry oder dru – ein Wort, das ursprüng­lich Baum oder Eiche bedeu­te­te und im eng­li­schen tree fort­lebt, aber auch in dry­land, dem Fest­land. Und ganz so wie ein Baum dir Halt und Sicher­heit ver­leiht und ganz so wie das Fest­land dei­ne Füße auf siche­ren Boden stellt, so ist das Ver­trau­en eine belast­ba­re, ver­läss­li­che und bestän­di­ge Ver­bin­dung zwi­schen Men­schen. Davon zeu­gen auch dem Wort Ver­trau­en eng ver­wand­te ande­re Wör­ter unse­rer deut­schen Spra­che: Treue und Trost. Men­schen, die einen Bund fürs Leben ein­ge­hen, trau­en sich eben­so wie Men­schen, deren Zutrau­en ins Leben so groß ist, dass sie sich trau­en, ein Wag­nis einzugehen.

Ver­trau­en ist aber nicht nur das ver­läss­li­che Fun­da­ment unse­res Mit­ein­an­ders, es ist auch die eigent­li­che Wäh­rung, die den Umgang der Men­schen mit­ein­an­der trägt. Auch hier gibt uns die Spra­che Wesent­li­ches zu ver­ste­hen: Du inves­tierst Ver­trau­en, du schenkst Ver­trau­en, du gewährst Ver­trau­en, du gewinnst Ver­trau­en. Und da, wo du den ande­ren ver­trau­ens­voll begeg­nest, wird umge­kehrt auch dir Ver­trau­en gewährt und geschenkt. Ver­trau­en ist so etwas wie die Wäh­rung, der sich die Öko­no­mie des mensch­li­chen Mit­ein­an­ders verdankt.

Aber damit nicht genug: Bei Lich­te bese­hen ver­dankt sich dem Ver­trau­en auch die Öko­no­mie des Gel­des. Wür­den wir nicht dar­auf ver­trau­en, dass ande­re unser Geld als Zah­lungs­mit­tel aner­ken­nen, wäre es voll­stän­dig wert­los. Ohne das Ver­trau­en derer, die es nut­zen, hat das Geld als Wäh­rung aus­ge­dient. Und wenn nie­mand mehr das Geld als Zah­lungs­mit­tel akzep­tiert, ist ein Han­del nur noch auf der Basis des Ver­trau­ens zwi­schen Käu­fer und Ver­käu­fer mög­lich. Letzt­lich bleibt also als Basis unse­res Mit­ein­an­ders nur das wech­sel­sei­ti­ge Ver­trau­en. Ver­trau­en ist die eigent­li­che Wäh­rung hin­ter jeder mone­tä­ren Währung.

Wich­tig dabei ist, dass du dir als Füh­rungs­kraft über Fol­gen­des im Kla­ren bist: Ver­trau­en kannst du nicht erzwin­gen. Ver­trau­en ist nicht ein Pro­dukt, das du mit tech­ni­schem Geschick oder der pas­sen­den Metho­de kunst­fer­tig her­stel­len kannst. Du kannst es allen­falls kul­ti­vie­ren: Du kannst durch ver­trau­ens­bil­den­de Maß­nah­men einen Raum schaf­fen, in dem Ver­trau­en wach­sen kann. Am bes­ten gedeiht es auf einem Boden, wo Men­schen auf­rich­tig und ehr­lich mit­ein­an­der umge­hen; in einem Kli­ma, das von Offen­heit, Wahr­haf­tig­keit und Trans­pa­renz geprägt ist. Solch ein Kli­ma wird immer da ent­ste­hen, wo du den ande­ren in die Augen schaust, kei­ne fal­schen Spie­le spielst oder heim­lich irgend­wel­che Rän­ke schmie­dest. Nur wo Men­schen sich in einem Geist der Wahr­heit tref­fen, funk­tio­niert die Wäh­rung des Vertrauens.

Aber lei­der bleibt Ver­trau­en stets gefähr­det. Es wird ver­letzt, wo Ver­spre­chen nicht gehal­ten und Zusa­gen nicht erfüllt wer­den. Und es wird ver­nich­tet, wo Indis­kre­ti­on und Geschwät­zig­keit wal­ten oder wo mit sen­si­blen Daten nicht in höchs­tem Maße ver­trau­lich umge­gan­gen wird. Indis­kre­ti­on, Unwahr­hei­ten, Lügen und Betrü­ge­rei­en sind die Kli­ma­kil­ler des Ver­trau­ens. Sie ver­gif­ten die ver­trau­ens­volls­te Atmo­sphä­re und zer­stö­ren jeden rei­bungs­lo­sen Umgang mit­ein­an­der. Brei­tet sich das Gift des Miss­trau­ens aus, wird das Mit­ein­an­der schwer und zäh. Dann ver­liert der Boden unter unse­ren Füßen sei­ne Festigkeit.

Ein Miss­ver­ständ­nis wäre es, zu mei­nen, du könn­test feh­len­des Ver­trau­en durch Kon­trol­le erset­zen oder zer­rüt­te­tes Ver­trau­en durch Kon­trol­le hei­len. Kon­trol­le ist oft unver­zicht­bar, wo Men­schen mit­ein­an­der arbei­ten und leben; und sie ist auch hilf­reich, weil sie dich vor Feh­lern schützt. Aber wo es um das Wachs­tum und die Poten­zi­al­ent­fal­tung dei­ner Mit­ar­bei­ter geht, ist es uner­läss­lich, ihnen mit Ver­trau­en zu begeg­nen. Nur so wer­den sie wach­sen und gedei­hen – und nur wo Men­schen wach­sen und gedei­hen, haben Unter­neh­men Zukunft.

(aus „Wacher Geist und fes­ter Schritt. The Don­key School for Lea­der­ship”)

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