In der SELBSTBEZÜGLICHKEITSFALLE stecken vermutlich Geimpfte, wie Ungeimpfte…

Egal ob geimpft oder unge­impft: Ste­cken wir womög­lich alle in der Selbstbezüglichkeitsfalle?

Wir wären nicht die ers­ten, die dar­an schei­tern, dass sie zu sehr um sich selbst krei­sen. Schon der römi­sche Kai­ser Marc Aurel sah die­ses Pro­blem – und wir wis­sen ja, was aus dem römi­schen Reich wur­de…
So oder so: Marc Aurels Gedan­ken zu die­sem The­ma sind aktu­el­ler denn je – und so tei­le ich mit euch heu­te ein Kapi­tel aus mei­nem Buch „Kann ich? Darf ich? Soll ich?”, in dem ich unter Rück­griff auf sei­ne Gedan­ken ein Plä­doy­er für Soli­da­ri­tät, Gemein­sinn und Mit­ein­an­der ver­sucht habe. By the way: Wer von euch mei­ne Begeis­te­rung für den Gemein­sinn teilt, fin­det in die­sem Buch noch mehr gute Argu­men­ten für den Geist der Soli­da­ri­tät und Koope­ra­ti­on … die sich auch als Geschenk zum Fest der Lie­be bes­tens eig­nen. – Nur mal so ins Blaue gedacht.
Viel Freu­de beim Lesen wünscht herz­lich
Chris­toph

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Bin ich der wich­tigs­te Mensch in mei­nem Leben?
NEIN
Der gro­ße Athe­ner Tra­gö­di­en­dich­ter Euri­pi­des hat eine ergrei­fen­de Geschich­te erzählt. Sie han­delt von einer Frau namens Alkestis, die mit dem König Admetos ver­hei­ra­tet war. Auf die­sem aber lag ein alter Fluch, so dass er lan­ge vor der Zeit zu ster­ben hat­te. Allein, der Gott Apol­lon lieb­te den Admetos und erwirk­te von den Göt­tern der Unter­welt, dass jener län­ger leben dür­fe; gesetzt, es fän­de sich ein ande­rer Mensch, der an Admei­tos statt zu ster­ben bereit sei. Es fand sich aber nie­mand – außer sei­ner Frau Alkestis. Ihr war das Leben ihres Gat­ten wich­ti­ger als ihr eigenes. 

Nun mag man ein­wen­den, das sei ein alter Mythos, der uns Heu­ti­gen nichts mehr zu sagen habe. Zumal er klar patri­ar­cha­le Züge trägt. Sich für den Gat­ten hin­zu­ge­ben, fie­le heu­te nie­man­dem mehr ein. Wie aber steht es um die vie­len tau­send Müt­ter, die sich für ihre Kin­der opfern? Wie steht es um die vie­len Män­ner, die ihr Leben für ihre Liebs­ten lie­ßen? Wie steht es um die Gen­tle­men zur See, die anstands­los zuerst Frau­en und die Kin­der in Sicher­heit brach­ten? Es gibt reich­lich Bei­spie­le von Men­schen, die sich selbst nicht als die wich­tigs­te Per­son in ihrem Leben sahen – und die bereit waren, ihr Leben zum Wohl des Lebens ande­rer aufs Spiel zu set­zen oder gar dran­zu­ge­ben. Dass wir Heu­ti­gen ein sol­ches Ver­hal­ten kaum noch ver­ste­hen kön­nen oder gar ableh­nen, liegt nicht dar­an, dass wir klü­ger oder fort­schritt­li­cher wären als die Alt­vor­de­ren. Eher liegt es dar­an, dass die Geschich­te über­voll ist von Pre­di­gern, Dik­ta­to­ren, Ideo­lo­gen und Fun­da­men­ta­lis­ten, die sich die Opfer­be­reit­schaft der Men­schen aus rein selbst­süch­ti­gen Moti­ven dienst­bar gemacht haben. Das hat aus ver­ständ­li­chen Grün­den dazu bei­getra­gen, dass wir heu­te ver­sucht sind, Altru­is­mus und Selbst­hin­ga­be abzu­leh­nen, und statt­des­sen einen Ego­is­mus ver­in­ner­licht haben, der frü­he­ren Men­schen inak­zep­ta­bel gewe­sen wäre. Die Grün­de dafür sind viel­fäl­tig, müs­sen hier aber nicht eigens rekon­stru­iert wer­den. Wich­tig ist nur zu erken­nen, dass es nicht im Wesen des Men­schen, son­dern am moder­nen Men­schen­bild liegt, wenn wir vor allem um unser eige­nes Wohl­erge­hen besorgt sind und uns für die wich­tigs­te Per­son in unse­rem Leben halten.

Die Römer zum Bei­spiel dach­ten dies­be­züg­lich völ­lig anders. Sie waren wahr­lich kei­ne Altru­is­ten oder Gut­men­schen, eher im Gegen­teil: Sie schu­fen sich ein rie­si­ges Impe­ri­um und beherrsch­ten Jahr­hun­der­te lang die Welt. Doch Ego­is­ten waren sie nicht. Sie wuss­ten, dass es Grö­ße­res und Wich­ti­ge­res gibt als die eige­nen Bedürf­nis­se, Wün­sche und Inter­es­sen. So konn­te Marc Aurel, der Phi­lo­soph auf dem Kai­ser­thron, bemer­ken: »Wie lan­ge der Mensch lebt, ist gleich­gül­tig; not­wen­dig aber ist es, dass jeder sei­ne Pflicht tut.« Und damit mein­te er, dass es wich­ti­ger ist, sich in den Dienst bestimm­ter Wer­te und Tugen­den zu stel­len, als bloß auf das eige­ne Leben und die per­sön­li­chen Inter­es­sen bedacht zu sein.

Marc Aurel war Anhän­ger der soge­nann­ten stoi­schen Phi­lo­so­phie. Die Grün­der die­ser Phi­lo­so­phen­schu­le lehr­ten, der Mensch sei immer ein­ge­bun­den in grö­ße­re Sys­te­me, von denen er ledig­lich ein klei­ner Teil ist. Sol­che Sys­te­me sind die Fami­lie, die Gesell­schaft, der Staat, die Kul­tur und natür­lich auch die Natur. Ihnen, die­sen grö­ße­ren Sys­te­men, ver­dankt sich unser Sein; und ihnen zu die­nen kann wert­vol­ler und wich­ti­ger sein, als die eige­nen Schäf­chen ins Tro­cke­ne zu brin­gen. Viel­leicht sogar wich­ti­ger als das eige­ne Leben. Alkestis jeden­falls sah es so. Zur Beloh­nung wur­de sie übri­gens von den Göt­tern zurück unter die Leben­den versetzt…


Aus „Kann ich? Darf ich? Soll ich? Phi­lo­so­phi­sche Ant­wor­ten auf all­täg­li­che Fra­gen”,
das Buch zu Weih­nach­ten für eine kurz­wei­li­ge Aus­bil­dung in Gemein­sinn und Wer­te ist über­all im Buch­han­del erhält­lich.
Preis € 14,90, lein­en­ge­bun­den mit Illus­tra­tio­nen von Patri­cia Schel­len­ber­ger – kurz: wun­der­hübsch!
ISBN 978–3948206093
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