BODENSTÄNDIGKEIT

Bodenständigkeit – mir scheint derzeit heben einfach viel zu viele Menschen in Sphären ab, in denen es ziemlich geistlos zugeht.
Was hilft? Sich mal auf den Boden zurückbesinnen, auf dem wir alle als Menschen zusammen leben. Und seine eigene Hirngespinste darauf hinterfragen, ob sie noch die Bodenhaftung haben und somit die „Anbindung an das Leben“, die man braucht, um mit all‘ den Komplexen Sachverhalten klar zu kommen.

Ein Esel macht nie schlapp, denn er hebt nicht ab

Bodenständigkeit klingt altmodisch und uncool. Doch das ist sie keineswegs. Vielmehr ist sie unverzichtbar für dich als Führungskraft. Sie sorgt dafür, dass du gut geerdet bist. Und das musst du sein, denn anderenfalls wäre es ein Leichtes, dir den Boden unter den Füßen wegzuziehen oder dich ins Bodenlose stürzen zu lassen. Und das kannst du nicht wollen. Also brauchst du Bodenständigkeit: eine gute Erdung, eine gute Verwurzelung im Boden. Fragt sich nur, in welchem?

Der Boden, der dich trägt, hat etwas mit Vergangenheit zu tun. Er ist schon da, gleichsam unter deinen Füßen angehäuft. Er besteht aus Traditionen und Geschichte. Er ist gewachsen wie der Humus deines Gartens. Und wie dieser steckt er voller Energie und Möglichkeiten – voller Potenziale, die du zukünftig entfalten kannst. Aber dafür musst du Wurzeln in ihm schlagen, denn nur so kannst du die Kraft, die in ihm schlummert, voll entfalten. Eben das heißt Bodenständigkeit: gut verwurzelt sein in dem, was dich und andere trägt und hält: in dem, was euch gemeinsam ist – was dich mit anderen verbindet. Die Treue zum Bewährten ist ein Qualitätsmerkmal, denn sie erlaubt dir, neue, kühne Lösungen zu suchen. Das geht nur, sofern du weißt, woher du kommst und wo du stehst. Je tiefer deine Wurzeln reichen, desto mutiger und innovativer wirst du führen.

Wenn du bodenständig bist, wirst du deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnen. Denn du stehst auf demselben Boden wie sie, arbeitest in derselben Firma, stehst wie sie unter dem Einfluss ihrer Traditionen, wurzelst wie sie in deren Werten. Andere werden dir Vertrauen schenken, wenn sie wissen, dass du in demselben Boden wurzelst wie auch sie. Sie werden dich stützen und halten, denn sie wissen, dass du es ebenso tun wirst. Bodenständigkeit erzeugt Verlässlichkeit. Und Verlässlichkeit erzeugt Vertrauen. Ohne Bodenständigkeit, Vertrauen und Verlässlichkeit ist es unmöglich, Führungsverantwortung auszuüben.

Bodenständigkeit ist etwas anderes als Verbohrtheit. Die Sprache ist an diesem Punkt ganz deutlich: Wer verbohrt ist, wurzelt nicht, sondern versucht gewaltsam und verkrampft, sich irgendeinen Halt zu schaffen. Mithilfe von Technik bohrt er ein Loch, füllt es mit Beton und hofft, auf diese Weise standfest durch die Zeit zu kommen. Doch dabei erstarrt er und wird unversehens zu einem unbeweglichen Betonkopf. Echte Bodenständigkeit sieht anders aus: Sie verbohrt sich nicht, sondern treibt Wurzeln und bezieht aus ihnen ihre Standfestigkeit – eine wirklich tragfähige Standfestigkeit, die dich davor bewahrt, in Konventionen zu erstarren, und die verhindert, dass dich die Stürme umlegen, die früher oder später über dich hereinbrechen werden.

Und noch etwas verdankst du deiner Bodenständigkeit: Indem sie dich erdet, bewahrt sie dich vor Illusionen oder falschen Utopien. Das ist wichtig, denn gute Führung hebt nicht ab. Sie verliert sich nicht in Traumgespinsten à la Don Quixote: Nein, sie lebt von dem gesunden Realismus eines Sancho Pansa oder eben seines Esels Rucio. Sie hält, was sie verspricht, und sie verspricht nicht mehr als das, was sie auch wirklich leisten kann. Wer bodenständig ist, kann sich und andere tragen.

(aus „Wacher Geist und fester Schritt. The Donkey School for Leadership“ dem etwas anderen Führungskräfte-Ratgeber…)

Und wer noch mehr Eselsweisheiten erfahren möchte, am 8. und 9. April 2027 gibt es einen Workshop in der Rhön dazu. Mehr Infos mit diesem Link.